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JOYCE
Vergessen Sie Diäten! Jutta Wilbertz hat durch einen Aufenthalt in Italien einen neuen Blick für die eigene Schönheit gewonnen.
Während meiner Studienzeit lebte ich ein Jahr in Rom. Damals war ich einigermaßen zufrieden mit meinem Aussehen, ich war ja nicht gerade hässlich – aber, Hand aufs Herz, besonders schön konnte ich mich auch nicht finden. Annehmbar, ja, aber mit einigen Kilos zu viel, mein Gesicht ganz hübsch, aber schiefe Zähne (das Klammertragen als Teenager hatte nichts genützt, wohl auch deshalb, weil ich sie gar nicht getragen hatte), meine langen Haare ganz nett, aber viel zu glatt, insgesamt also ganz okay, aber nicht die erste Liga.
Haben Sie die bisherigen „ganz“ und „aber“ gezählt? Also ganz ehrlich, wenn diese „aber“ nicht gewesen wären, dann wäre ich wirklich wunderschön gewesen, rank, schlank, eine Ballett-Eleve, eine Audrey Hepburn, ein zerbrechliches Reh mit großen Augen. Nach meinem Jahr in Rom war ich es dann tatsächlich – nein, kein Reh, immer noch eine stattliche Hirschkuh … aber wunderschön!
Das Geheimnis? Eigentlich gibt es keines, ich lebte lediglich in Italien! Zunächst hatten mich die vielen „Bella“-Rufe noch geärgert. Meine Güte, ich kannte das schließlich vom Urlaub, an jeder historischen Sehenswürdigkeit hingen traubenweise junge Italos herum, die versuchten, deutsche Touristinnen abzuschleppen. Lästig, lärmend, blöd. Als ich allerdingsmeinen Alltag in Romlebte, umgeben von Italienern und Italienerinnen, weit draußen in der Vorstadt, wohin sich keine Touristin verirrt – da bekam ich trotzdem täglich eine gehörige Portion an „Bellissima!“ hinterher gerufen. Fröhlich imVorbeigehen, vomälteren Signore amMarktstand bis zum jungen Straßenkehrer, ohne Anmache oder Zweideutigkeiten, einfach als freundlichen Gruß.
Das verwirrte mich und zudem fand ich es theoretisch vom emanzipatorischen Standpunkt aus einfach unmöglich – wenn ich es praktisch bloß nicht so nett gefunden hätte …
Schließlich sprach ich einen Freund aus meiner Theatergruppe deswegen an. Nino war sympathisch, zuverlässig und ich konnte nicht verstehen, wieso er – genau wie die Blödmänner am Trevi-Brunnen – wildfremdenMädchen quer über die Straße Komplimente zurief, zumal er in festen Händen war! Das passte doch nicht! Er dagegen konnte mein Problem damit gar nicht nachvollziehen – und Concetta, seine Verlobte, auch nicht. „Wir sind in Italien“, erklärte er, „wir feiern hier die Frauen, einfach, weil sie wunderbar sind.“
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