Obwohl immer mehr Frauen in Deutschland Hauptverdiener in der Familie sind, bleibt für sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einer Studie zufolge schwierig.
Unflexible Öffnungszeiten bei der Kinderbetreuung, aber auch traditionelle Rollenvorstellungen machten es Frauen noch immer schwer, sich auf die Aufgabe als Ernährerin ihrer Familien zu konzentrieren, sagte die Duisburger Politik-Professorin Ute Klammer am Donnerstag bei einer Tagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Leipzig. Dies gelte vor allem für westdeutsche Frauen.
Die Forscherin stellte die Ergebnisse einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zur Bedeutung der Erwerbstätigkeit von Frauen vor. Darin wurden 45 Frauen, die mindestens 60 Prozent zum Einkommen der Familie beisteuern, zu ihrer Lebenssituation befragt. Danach litten die Befragten vor allem unter den Öffnungszeiten der Kindertagesstätten, die sich oft nicht mit den eigenen Arbeitszeiten vereinbaren lasse.
Im Osten sei die Kinderbetreuung besonders für Alleinerziehende ein Problem, ergänzte die Berliner Sozialwissenschaftlerin Svenja Pfahl, die Frauen in Sachsen und Sachsen-Anhalt befragt hat. In ländlich geprägten Gebieten sei dort schon die Verfügbarkeit eines Platzes wegen langer Anfahrtswege und schlecht ausgebautem Nahverkehr ein Problem.
Wie es weiter hieß, sind nach repäsentativen Studien heute 21 Prozent aller deutschen Frauen die Hauptverdiener der Familien. 1991 seien es noch 15 Prozent gewesen. Dennoch seien Betriebe, Arbeitsmarkt und Politik auf die Rolle der Frauen als Ernährerinnen ihrer Familien nicht vorbereitet, resümierten die Wissenschaftlerinnen. Dennoch lässt sich laut Klammer «kein Potenzial für eine Umorientierung hinsichtlich der traditionellen Geschlechterrollen» in Westdeutschland erkennen: Ein überwiegender Teil der Frauen geriete unfreiwillig die Rolle der Ernährerin.
Außerdem würden berufstätige Frauen in den alten Bundesländern Haushalts- und Fürsorgepflichten für Kinder eher anderen Frauen, beispielsweise Großmüttern oder Tagesmüttern, übertragen, anstatt diese Tätigkeit vom Partner zu verlangen. «Die Festschreibung der Geschlechterrollen wird damit weiter forciert», sagte Klammer. Im Osten seien diese Rollenmuster durch das in der DDR etablierte «Zweiverdienermodell» hingegen kaum zu finden. Dort werde eine Frau als Hauptverdienerin zum großen Teil als «normal» angesehen.
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